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Passionsspiele in Erl, das letzte Abendmahl.

Passionsspiele in Erl, der Kreuzzug

Die Wurzeln des Dramas in Tirol

Im Zusammenhang mit der Literatur in Tirol wird häufig auf die besondere Affinität des Landes zum theatralischen Schaffen hingewiesen. Bereits im Mittelalter gab es geistliche und weltliche Spiele, die angemessene Form für das Bürgertum, sich künstlerisch auszudrücken. Die Spiele waren ursprünglich Teile von Feiern. Spieler und Miterlebende bildeten eine Gemeinschaft. Meist suchte das Spiel das unsichtbare Heilsgeschehen zu fassen und bildlich darzustellen, das dramatische Geschehen zielte weniger auf Unterhaltung als auf Andacht ab. Die älteste Spielhandschrift von 1391 stammt aus dem Kloster Neustift bei Brixen. Sie enthält drei geistliche Spiele, eines davon ist das Osterspiel, auf welches die Tiroler Passion - eine dreitägige Aufführung der Erlösungstat Christi - zurückgeht. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts stellte man die Passion in Sterzing dar, später in Brixen, Klausen, Hall, Meran und Bozen, wo das kirchliche Spielgeschehen auf sieben Tage ausgedehnt wurde.

Aber nicht nur in Kirchen, auch auf dem Marktplatz oder im Wirtshaus wurde gespielt, meist in der Fastnacht. Es handelte sich um komische Szenen rund um brauchtümliche Überlieferungen. Zwischen 1511 und 1535 zeichnete der Spielführer Vigil Raber zweiunddreißig Spieltexte auf, die als "Sterzinger Fastnachtspiele" überliefert sind. Scherz, Ständesatire, Tanzspiel, Heldensage und Minneallegorie (= bildlich-lehrhafte Darstellung bzw. Erörterung zum Wesen der Minne im Gegensatz zur zuchtlosen Liebe) werden in den Fastnachtspielen zusammengeführt. Das Volksstück, wie wir es heute kennen, hat hier seinen Ursprung.

Die heute noch lebendigen Passionsspiele in Erl hingegen wurzeln konkreter noch im 17. Jahrhundert, nämlich in den lateinischen Dramen, die von den Jesuitenschülern in Innsbruck und Hall zur Aufführung gebracht wurden. Da sie dem einfachen Volk nicht zugänglich waren, entzündete sich parallel in den Landgemeinden eine genuine Spielfreude der bäuerlichen Bevölkerung, aus der an der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert die Passionsspiele in Erl, Thiersee und Telfs hervorgingen.

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